Prof. Klaus Goldhammer erstellt seit 2010 den Web-TV-Monitor für die Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Darin werden die Webvideo-Angebote und deren Entwicklung untersucht. Aktuell gebe es 677 Onlinevideo-Angebote und: „Es gibt in Deutschland 27.000 YouTuber in Deutschland.“

Im Rahmen der Studie wurden erstmals auch die Top 550 der Facebook-Video-Angebote untersucht. „Seit 2010 ist die Zahl von reinen Web-TV-Angeboten rückläufig“, so Goldhammer. Gemeint sind damit Seiten, die eigenen Streamingserver betreiben. Wegen der Kosten, aber auch der besseren Reichweite und Vermarktung, gingen immer mehr Anbieter direkt zu YouTube.

Die Hälfte aller Online-Videoangebote seien Submarken von klassischen Medien, dazu kämen reine Web-TV-Seiten oder Firmen-Seiten. „Ein Drittel aller Online-Video-Angebote bezieht sich auf das Thema Information“, auf Platz zwei liege Regionales, gefolgt von Comedy.

Trend zu Live-Formaten

Anbieter reagieren auf die Plattformen: „Inhalte werden für die mobile Nutzung optimiert.“ Und Inhalte, so Goldhammer, werden wieder länger. Der dritte Trend seien Live-Formate.

YouTube bleibe mit Abstand die meistbenutzte Plattform. Facebook könne diese Bedeutung nicht erreichen. „Der Shootingstar für die Videoverbreitung ist Instagram.“
„Das Spektrum an Plattformen ist groß,  auch die anderen Plattformen haben eine erhebliche Bedeutung.“ Die Anbieter in Deutschland würden Instagram eine weiter zunehmende Bedeutung bescheinigen, außerdem werden SmartTV-Apps wichtiger.

„Für 2018 und 2019 erwarten die Anbieter einen Anstieg von 38 und 31 Prozent der Abrufzahlen von Livestreams“ Auch die durchschnittliche Sehdauer werden weiter wachsen. „Das sind Traumzahlen“, kommentiert Goldhammer. „Non-Lineare Abrufe werden nicht mit einem so starken Wachstum gesehen wie das Live-Erlebnis.“

Konzentration bei YouTube

Studienautor Bertram Gugel betont, dass zwar die Zahl der Kanäle auf YouTube zunehmen, doch viele seien nicht aktiv. Hier könne man auch nicht von einem WebTV-Angebot sprechen. „Im letzten Jahr gab es ein Marktwachstum von 45 Prozent, das Jahr davor waren es aber noch über 70 Prozent.“ Die Plattformen würden aber nur über neue Kanäle Wachsen, so Gugel. „Das neue Wachstum bedeutet auch, dass sich neue Kanäle etablieren können.“ YouTube lebe davon das es große Kanäle mit großer Reichweite gibt. „YouTube zeichnet sich durch eine starke Konzentration aus“, dies bedeute, es gebe wenige Videos, die eine hohe Reichweite generieren. YouTube sei eine Musikplattform, die Hälfte der Nutzung entfalle auf Musik, „Keiner der Top-Kanäle sei unter 30 Millionen Videoabrufe im Monat.“

Fernsehen den Rand ablaufen

Woher kommen die Erlöse? „An erster Stelle steht die YouTube-Werbung, gefolgt von Sponsoren und Produktplatzierung.“ In der Befragung äußerten die Anbieter die Erwartung, bis 2020 dem klassischen Fernsehen bei der Nutzung den Rang abzulaufen.

Einer der Treiber der Videonutzung seien bessere Netze, etwa 5G, und günstigere Tarife, dies mache mobiles Streaming immer attraktiver. Außerdem bemängeln Anbieter die unklaren rechtlichen Rahmenbedingungen.

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